von Katrin Wiehle
Ab 6 Jahren,
Thema: Sachbuch, Tiere
Das wunderschöne Bilderbuch „Professor Pfeffers tierische Abenteuer“ liegt in einem besonders großen Format vor. Die warmen, verhaltenen Farben fallen auf, erdig aber zart und klar und sehr harmonisch. Von rechts drängt ein Haufen Tiere ins Bild. Am längsten reicht der Elefantenrüssel herein, aber auch hundert andere Hälse strecken sich da samt unterschiedlichster Köpfe, alle mit aufmerksamen, sprechenden Augen auf das kleine Männchen in Outdoor-Aufmachung gerichtet. Als hielte er seinen Tieren eine Predigt, so steht der im Titel angekündigte Professor Pfeffer vor der Tierwelt.
Die Umrisse, die Formen und dann im Buch selbst, die dekorativen Spiele mit leeren Formen, die Überschneidungen und der Einsatz der Schriften weisen deutlich auf eine digitale Machart hin. Der Haupteindruck der Illustration ist ein dekorativer. Tiere und Naturräume sind fast ganz flächig und übersät mit kleinen Müsterchen, teils als Tierformen, teils als Blüten, Blätter und Spuren.
Das Buch kommt mit extrem wenig Sprache aus. In dieser Hinsicht ist es ein echtes Bilderbuch. Auf einer Seite wird erzählt, dass Professor Pfeffer von Beruf ein Abenteurer sei und vor allem Tiere erforscht in allen Regionen der Welt, wo Tiere leben. Aber immer wieder findet der Professor auch Tiere an falschen Orten. Dass der Professor etwas mit Fotografien zu tun hat, zeigen dann seine Selbstportrait in sechs verschiedenen Ausstattungen, je nachdem in welchem Lebensraum von Tieren er sich aufhält: im Wald, unter Wasser, im Dschungel, in der Savanne, in Schnee und Eis oder auf der Weide.
Auf sechs Doppelseiten, allesamt in überzeugend schönen Farben, wird die ganze Tierwelt dieser Region wie ein Streuselkuchen versammelt. Wir kennen diese Art der Darstellung aus den Wimmelbüchern. Da gibt es unglaublich viel zu sehen und nicht immer ist es leicht, das einzelne Tier wirklich zu identifizieren. Aber der Professor kennt sie alle. Mit Kamera und Fernglas nimmt er alles wahr und dokumentiert am Ende seine Beobachtungen. Diese sechst Fotos, je eines zu jedem der sechs Lebensräume, entlarven Fehler. Ein Tier auf jeder Doppelseite hat sich verirrt, gehört nicht in diese Umgebung. Der Professor nennt seinen Namen und erklärt, wo er es gefunden hat und wo es eigentlich hingehört.
Die letzten Seiten des Bilderbuches sind ein Tierlexikon mit fast 100 Tieren von A bis Z, mit Bild und Name. So ist es möglich, all die Tiere auf den sechs Doppelseiten im Nachhinein durch intensives Vergleichen zu finden und zu benennen.
„Ein opulentes Such- und Findeabenteuer für Tierforscher ab drei Jahren“ verspricht der Verlag auf der Rückseite des Buches. Das mag man so sehen. Aber richtig ist sicher auch, dass dieses Buch sich in seinem Anspruch niemals an dreijährige Kinder richtet. Ich finde, das sollte man deutlich sagen. Dies ist zwar ein Bilderbuch und Dreijährige können darin herum blättern. Aber eigentlich ist es ein ernst zu nehmendes Sachbuch, das alle Voraussetzungen zum Erfassen eines Sachgebietes fordert. Das Buch ist nur verständlich, wenn ein Kind bereits ein großes Vorwissen mitbringt. Es muss in der Lage sein, neben dem Suchen und Auffinden, zu abstrahieren, zu klassifizieren, zu sortieren und sogar zu recherchieren. Das können Kinder frühestens ab sechs Jahren. Und selbst dann gibt es genügend Kinder, die keine Ahnung haben, in welcher Region dieser Welt Pinguine leben oder Affen, oder Schlangen, ganz zu schweigen von einem Leguan oder einem Orca.
Auch die Figur eines Professors, der zudem noch in den Verdacht einer typischen professoralen Dusseligkeit gerät, hat für Vorschulkinder keinerlei Konnotation. Für mein Gefühl stimmen da Präsentation und Anspruch nicht ganz überein. Für mich ist dieses Buch eine typische Anfängerarbeit mit einem ganz hohen, intellektuellen und ästhetischen Anspruch, eine wundervolle Examensarbeit, die jede Würdigung verdient. Man kann große Erwartungen stellen an Katrin Wiehle, insbesondere an ihre dekorative Kunst. Ihre Zielgruppe muss sie sich aber noch etwas genauer anschauen und sehen, was den Kindern dann wirklich Freude macht. Als Bilderbuch-Sachbuch könnten solche Bücher aber auch einen neuen Typus kreieren und bräuchten dann keinerlei Alterszuweisung.
Ich empfehle dieses Buch wärmstens für Kinder, die sich ein Sachwissen über Tiere aneignen wollen, ab etwa 6 Jahren.
Titel: Professor Pfeffers tierische Abenteuer
Autor: Katrin Wiehle
Illustrator: Katrin Wiehle
Verlag: Beltz und Gelberg, 2010
ISBN: 9783407794239
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