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Josef Schaf will auch einen Menschen | Projektbuch

von Kirsten Boie und Philip Waechter
Ab 7 Jahren, Thema: Kuscheltier, Tierhaltung

Cover: Josef Schaf will auch einen Menschen

Josef Schaf will auch einen Menschen


"Ich wünsche mir nichts anderes als einen Hund!" Diese inständige Bitte kennen alle Eltern, ob es sich um ein Meerschweinchen, eine Katze, einen Vogel oder sonst ein lebendiges Tier handelt. Irgendwann möchte fast jedes Kind etwas Lebendiges zum Liebhaben. Und da muss man den Kindern klar machen, dass sie damit Verantwortung übernehmen und tägliche Pflichten. Dass Tierhaltung aber auch noch eine andere Dimension hat, das zeigt die Geschichte von Josef Schaf und seinem Menschlein.



 


Josef bettelt bei seinen Eltern. Er will endlich auch einen Menschen. Alle anderen Kinder haben einen; nur er nicht. Das ist eine subtile Erpressung, auch wenn sie stimmt, denn schließlich haben die Eltern Schaf gute Gründe, gegen die Käfighaltung von Menschen zu sein. Und wie alle Eltern zweifeln sie an der Zuverlässigkeit ihres Sohnes. Doch Josef weiß, wie man es machen muss. Er liegt der Mutter in den Ohren und kann sie schließlich erweichen. Er bekommt zu seinem Geburtstag einen kleinen weißen Menschen mit Hut. Purzel heißt er. Sein Käfig ist sauber zu halten, täglich braucht er was zu essen und man muss natürlich so oft wie möglich mit ihm raus ins Freie. Dafür ist die Leine. Josef ist überglücklich und verspricht, für alles zu sorgen.


Die anderen Schafe in seiner Klasse haben zwar viel interessantere Menschlein, eine Chinesin, einen Schwarzen oder einen Eskimo, aber dennoch ist Josef ganz zufrieden und manchmal geht er mit den anderen raus ins Freie und sie lassen ihre Menschlein herumtoben. Man sollte sie allerdings niemals von der Leine lassen, man weiß nie, was passiert. Doch Cara Kalb ist sich ganz sicher, dass ihr schwarzer Mensch so zahm ist, dass er nicht weg läuft und so bindet sie ihn von der Leine los. Da will Josef nicht zögerlich sein. Aber kaum hat er seinen Purzel frei gelassen, rennt der weg und verschwindet im dichten Gebüsch. Nichts hilft. Man ruft, man lockt, man sucht; Purzel bleibt verschwunden.


Vater Schaf ist wütend. Er wusste es doch, dass ein Käfigmensch nur Scherereien macht. Doch nun rücken die Schafs aus, denn es wird schon Nacht und das Menschlein muss gefunden werden. Er würde ja draußen umkommen. Eine große Suchaktion beginnt, bei der schließlich ganz viele Tiere mitmachen. Doch erst als die Eule dazu kommt, wendet sich das Blatt. Mit ihren unglaublich scharfen Nachtaugen sieht sie von oben, dass Purzel in den Graben gefallen ist. Man findet ihn ganz verwahrlost, mit nasser Hose und ohne seinen Hut, aber Gott sei dank unverletzt. Josef Schaf ist überglücklich und drückt seinen Purzel ganz fest an sich. "Noch mal passiert mir so was aber nicht!" donnert Vater Schaf, bevor sich alle friedlich schlafen legen.


Verblüffend eindrücklich macht diese kleine Satire die Haltung von Tieren im Haus oder in anderen Einrichtungen zu einer fragwürdigen Sache. Wenn wir das wären statt der Tiere, die in den Käfig gesperrt, willkürlich hin und her geschubst, zu albernen Spielen abgerichtet, unzuverlässig versorgt oder widernatürlich zum Schmusen missbraucht würden? Würde uns das gefallen? Ganz von selbst führt die Geschichte zum Nachdenken über artgerechte Haltung und über unsere Verantwortung gegenüber anderen Geschöpfen. Die Geschichte ist komisch und sie provoziert und zwingt zum Reden und Nachdenken über ein Thema, das jedes Kind kennt und angeht.

Zum Buch

Titel: Josef Schaf will auch einen Menschen
Autor: Kirsten Boie
Illustrator: Philip Waechter
Verlag: Oetinger, 2006
ISBN: 3789176443

Ein PISAKIDS-Projektbuch


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