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Jacky und Grimm, Tohuwabohu, Hundekuchen und Waldmeistertee

von Simon Santschi und Patrick Lenz
Ab 7 Jahren, Thema: Comic, Freundschaft, Komik

Cover: Jacky und Grimm

Blättert man das kleine Buch im Breitformat auf, verliert man sich sofort in den lebhaften Comic-Bildern. Zunächst interessiert das Geschriebene überhaupt nicht. Man wird von Seite zu Seite weiter geführt mithilfe der voran eilenden Hauptfigur, mit Richtungspfeilen, Rolltreppen, Zeichen und Bändern. Wir bewegen uns vom heimeligen, ruhigen Häuschen des Hundes Jacky weg über den Bahnhof hin zum Flughafen. In der Halle ist lebhafter Betrieb und Jacky versucht, sich zu orientieren. Es wimmelt von Tier-Leuten, die geschäftig hin und her eilen und die Vielfalt der Arten vom Zebra über den Hirsch bis zum Frosch und Elefanten ist wirklich ganz besonders reizvoll. Jacky wird in die Ankunftshalle geschickt, rauf, runter, rechts links, geradeaus. Wie sonst? Und überall Betrieb, überall schwatzende, vorbei eilende, bepackte Leute.


Allmählich nehmen wir die Schrift wahr, knapp, in Handschrift geschrieben und wissen nun, dass Jacky seinen Freund Grimm abholen will, der eben mit dem Flugzeug gelandet ist und bereits wartet. Grimm ist nicht der Wolf, sondern der Dachs, mit seinem unverkennbaren schwarzen Streifen am Kopf.


Bis hierher stimmt noch alles und es ist eine völlig normale Situation. Aber dann passiert es. Jacky wundert sich. Und Grimm gibt eine sehr schlaue und sehr unverständliche Antwort. Aus dieser Antwort werden Schlüsse gezogen und zwingend müssen die beiden Freund nun handeln. Grimms Koffer ist nämlich nach kurzem Auftauchen auf dem Gepäckband wieder im Tunnel verschwunden. Die beiden wollen ihn dort heraus holen. Vorbei an den Beamten schleichen sie sich zur Tunnelöffnung, steigen auf das laufende Gepäckband und lassen sich ins Innere transportieren. Dort innen geht es in turbulenter Fahrt kreuz und quer, bis sie endlich Grimms Koffer erblicken. Natürlich eilen die beiden dem Koffer nach über Stock und Stein und richten ein fürchterliches Durcheinander an. Koffer fallen vom Band, springen auf, alles verkantet sich und ein Berg Gepäck türmt sich auf. Doch Grimm schnappt sich seinen Koffer und schon erblicken sie wieder das Licht der Ankunftshalle und mit ihnen das ganze Tohuwabohu des Koffersalats.


Gelassen und ruhig nimmt Jacky seinen Freund an der Hand und führt ihn schnell hinaus. Die beiden nehmen die Bahn zurück in die Stadt und erholen sich in Grimms gemütlicher Wohnung bei Waldmeistertee und Hundekuchen vor dem Kamin. Ein wenig vorwurfsvoll belehrt Jacky seinen Freund: „Du hättest nicht auf das Rollband klettern dürfen“. Aber was soll man da jetzt noch machen? Schließlich ist ja der Koffer nun wieder da. Für die Freunde ein Grund, sich einem anderen, viel interessanteren Thema zu widmen.


Dies ist nicht nur eine kleine, turbulent und überaus ansprechend gezeichnete Comic-Geschichte, dies ist auch ein Format. Das heißt, es folgen nun noch vier weitere Geschichten im Café, beim Ausflug in die Berge, im Aquarium und auf dem Fußballplatz, die völlig gleich konstruiert sind. Jedes Mal brechen die beiden Freunde zu einer kleinen Unternehmung auf, ganz alltäglich, ganz normal. Man fährt mit dem Bus, geht zu Fuß, mit dem Fahrrad, usw. zu einem Ort, wo es etwas zu tun oder zu erleben gibt. Viele tun das, aber mit absoluter Sicherheit geht bei Jacky und Grimm irgend etwas gründlich schief. Einer wundert sich und Grimm hat die Erklärung, und daraus folgt logischerweise eine meist ungewöhnliche Aktion, die die anderen Menschen keineswegs logisch und vor allem keineswegs komisch finden.


Wir Leser haben aber ein diebisches Vergnügen dabei. Wir wissen ja absolut sicher, dass da wieder etwas passiert, das kann so harmlos beginnen, wie es will. Und dann gibt es wieder ein Tohuwabohu, Geschrei und wütende und ärgerliche Leute. Und heimlich still und leise verdrücken sich unsere Helden, um bald darauf gemütlich im Schlafrock vor dem Kaminfeuer zu sitzen und sich einem interessanteren Thema zu widmen.


Wir kennen diese formal festgelegten Sequenzen aus dem komischen Fach. Sowohl im Film, vor allem im Stummfilm als Slapstick, als auch auf der Bühne, etwa in der Commedia dell’ Arte, haben sie vielfältige Ausformungen.


Freude am Wiedererkennen, an der Wiederholung, ist eines der beliebtesten Elemente des literarischen Vergnügens insbesondere für Kinder. Diese Geschichten sind deshalb eine wunderbare Bereicherung des kinderliterarischen Angebotes. Ich würde sie jedem sechs- bis siebenjährigen Kind empfehlen, allein schon wegen der bezaubernden Zeichnungen, aber vor allem wegen der Freude am Komischen. Ich bin mir sicher, dass diese Geschichten ihre Leser sofort dazu animieren, neue Slapsticks zu erfinden. Ich meine, diese unmittelbare Motivation zum Weiterschreiben- und zeichnen sollten Lehrer in der Schule aufgreifen und nützen. Da müssten höchst originelle Ergebnisse zu erwarten sein.

Zum Buch

Titel: Jacky und Grimm, Tohuwabohu, Hundekuchen und Waldmeistertee
Autor: Simon Santschi
Illustrator: Patrick Lenz
Verlag: Atlantis, 2011
ISBN: 97837152064141


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