von Peggy Rathmann
Ab 6 Jahren,
Thema: Mensch und Tier
Eine sehr schöne Geschichte von einem innigen Verhältnis zwischen Tieren und Menschen und der Pfiffigkeit der Vierbeiner.
Mit nur einer Handvoll Wörtern kommt dieses reizende Bilderbuch aus. Es erzählt aber äußerst beredt eine sehr nette Geschichte. Es ist eine fortlaufende Erzählung vorwiegend in Bildern, die das Kind „liest“ wie einen Text. Bilder kann ein Kind unmittelbar verstehen, deshalb vermittelt sich der Inhalt dieser Geschichte auch schon recht kleinen Kindern. Das Buch hat aber immer noch viel Reiz auch für Leseanfänger, denn hier geht es darum, die Bildsprache in Schriftsprache zu übersetzen.
Der Wärter Joe geht am Abend noch einmal durch den Zoo. An seinem Gürtel hängt ein großer Schlüsselbund mit den Schlüsseln für jeden einzelnen Käfig. Es ist schon dunkel und er beleuchtet mit seiner starken Taschenlampe den Weg. Er geht an den Käfigen vorbei und wünscht jedem Tier eine „Gute Nacht!“. Zuerst kommt er zum Gorilla. Der erkennt seine Chance und klaut dem müden Wärter, der nur noch nach Hause strebt, den Schlüsselbund vom Gürtel. An den Farben erkennt der Gorilla, dass der rote Schlüssel seinen Käfig öffnet. Er schleicht hinter dem Wärter her und freut sich diebisch. In der Zwischenzeit hat die kleine Maus aus dem Gorillakäfig eine Banane ergattert. Damit sie die Banane fortschaffen kann, hat sie den Faden des Luftballons abgebissen, trippelt nun hinter den beiden her und zieht die Banane mit sich.
Der Wärter sagt dem Elefanten „Gute Nacht!“ und der schlaue Affe lässt auch den Elefanten aus dem Käfig heraus. Ebenso wird der Löwe befreit, die Giraffe, die Hyäne und das Gürteltier. Jedes neue Tier reiht sich ein in einen lautlosen Zug von Tieren, der dem Wärter folgt. Die Tiere schleichen aus dem Zoo hinaus, überqueren die Wiese bis zum Haus des Zoowärters: vorneweg die Maus mit der Banane, dann folgt der Gorilla und die anderen Tiere.
Zielstrebig drängen sie alle ins Haus und sofort ins Schlafzimmer. Schon sitzt der müde Mann auf seinem Bett und zieht sich die Stiefel aus. Es ist kurz nach 10 Uhr. Im großen Ehebett liegt schon seine Frau mit geschlossenen Augen und der Nachmütze auf dem Kopf. Die Tiere haben es sich lautlos gemütlich gemacht. Die Maus ist auf den Nachttisch gesprungen und zieht die Banane hoch, der Gorilla sitzt wie der Wärter auf dem Bett und gähnt ausgiebig. Benommen greift die Frau nach der Schnur, um das Licht zu löschen. Sie wünscht ihrem Mann „Gute Nacht, mein Schatz!“, doch der Wärter ist schon eingeschlafen.
In der absoluten Dunkelheit antworten aber sieben Stimmen „Gute Nacht!“, „Gute Nacht!“... Und in eben dieser stockfinsteren Nacht sieht man zwei entsetzte Augen, da wo auf dem vorherigen Bild das Bett war. Das Licht geht wieder an und die Frau schaut sich verwirrt in ihrem Schlafzimmer um. Das geht natürlich nicht. Die Tiere müssen zurück!. Sie nimmt die Taschenlampe ihres Mannes in die eine Hand, an der anderen führt sie den Gorilla. In Nachthemd, Pantoffeln und Nachtmütze steuert die energische Frau zum Zoo zurück und sperrt alle Tiere wieder in ihren Käfig.
Doch auf ihrem Weg zurück ins Haus sehen wir nun den Gorilla hinter ihr herschleichen und wieder hat er den Schlüsselbund an sich gebracht. Hinter ihm trippelt die Maus mit ihrer Banane. Der Gorilla hat den Finger auf den Mund gelegt. Jetzt muss es noch leiser gehen, denn die Frau hat gute Ohren. Doch die beiden Schlaumeier schaffen es. Als die Frau das Licht löscht, schlüpfen die beiden am Fußende des Bettes unter die warme Decke.
Die Frau verabschiedet sich noch einmal von ihrem Mann „Gute Nacht, Schatz“! und er murmelt „Gute Nacht!“. Dann sind beide eingeschlafen. Zwischen ihnen aber liegen der Gorilla und die Maus, die leise flüstert: „Gute Nacht, Gorilla!“ Doch auch der Gorilla schläft schon.
Es ist der Künstlerin sehr überzeugend gelungen, den Schelm, die Schläue und den Mut des Gorilla darzustellen. Er ist hier der Anführer und er ist so schlau, dass er selbst die Menschen hinters Licht führt. Dabei mögen sie sich, Mensch und Tier, sonst würde der Gorilla nicht ins Bett seines Wärters drängen.
Reizvoll ist für Kinder, die Geschichte zu erkunden und sie nachzuerzählen. Dazu muss man sehr genau hinschauen und die Entwicklung von Seite zu Seite weiter verfolgen. Dieses Buch eignet sich hervorragend für Leseanfänger und auch für Kinder, die es mit dem Lesen schwer haben. Zunächst können sie schauen, dann reden, evtl. aufschreiben und vielleicht später auch lesen.
Titel: Gute Nacht, Gorilla
Autor: Peggy Rathmann
Illustrator: Peggy Rathmann
Verlag: Moritz, 2006
ISBN: 389565177 X
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