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Die Schlawiner

von Michael de Guzmann
Ab 10 Jahren, Thema: Erwachsenwerden, Großvater-Enkel

Die Schlawiner

Zunächst einmal fiel mir die große Ähnlichkeit des Romans mit dem großartigen Buch von David Grossman "Zickzackkind" auf. Die Schauplätze sind unterschiedlich, hier Amerika, dort Jerusalem. Beide Romane sind Entwicklungsromane  am Beginn der Pubertät eines Jungen einsetzend, der mit seinem bisher unbekannten Großvater eine Reise beginnt, die ihm die zweifelhafte und kriminelle Vergangenheit dieses Großvaters erkennbar macht, die ihn aber auch in eine glamouröse und fantastische Welt hinein führt, von der der Junge bisher keine Ahnung hatte. Beide Großväter werden von den Enkelsöhnen als faszinierende Figuren bewundert, als Alleskönner und wahre Zauberer und sie erkennen, dass in ihnen selbst Fähigkeiten stecken, die denen des Großvaters sehr ähnlich sind. Beide Großväter benutzen die Enkelsöhne für einen ziemlich riskanten Coup und  die Jungen erleben, dass sie daran Freude hätten.


Im einen wie im anderen Roman sind die Großväter aber verantwortungsbewusst genug, den Jungen auch die Nachteile einer Gaunerkarriere zu vermitteln. Sie geben ihnen Lehren mit aus ihrem Leben, die sie darin bestärken, ihren nun beginnenden Weg ins Erwachsenenleben mit anderen Koordinaten zu beginnen, die ihnen ein ehrliches Leben in geordneten bürgerlichen Verhältnissen ermöglichen.


Eine solche Romanstruktur bietet die Möglichkeit, verschiedene Elemente zu verarbeiten. Wir haben so nicht nur einen Erziehungsroman vor uns, sondern auch einen Abenteuerroman und einen Kriminalroman und dies alles ist eine gute Voraussetzung für Spannung und Spaß beim Lesen. Das gilt auch für Guzmans „Die Schlawiner“.


Der 12jährige Albert wohnt mit seiner Mutter am Rande einer Kleinstadt im amerikanischen Staat Oregon  in einem Wohnwagen. Albert kann sich nur schwer in der Schule anpassen und hat eben einen mehrtägigen Schulausschluss bekommen. Jahrelang ist seine Mutter mit ihm durch die amerikanischen Staaten gezogen, nun wollen sie sesshafter werden und bleiben. Die Mutter hat einen Job in einem Nachtlokal, der sehr anstrengend ist und nur ein mageres Einkommen gewährt. Die Mutter achtet aber sehr auf eine gute Erziehung des Jungen.


Ein völlig unerwarteter Besucher überrascht die beiden beim Mittagessen. Die Mutter ist außer sich vor Wut als sie ihren Vater auftauchen sieht. Sie schreit ihn an und verlangt, dass er sofort verschwindet. Albert aber ist fasziniert. Er wusste nichts von diesem Großvater und will ihn gerne kennen lernen. So gelingt es auf Alberts Bitten hin, dass der alte Mann eine Weile bleiben darf, bis zum nächsten Morgen. Doch am Morgen sind Albert und der Großvater verschwunden. Von der nächsten Stadt aus rufen sie die Mutter an und Albert bittet sie, mit dem Großvater die nächsten Tage eine Reise machen zu dürfen. Die Mutter tobt. Schließlich gelingt es Albert aber, ihre Zustimmung zu bekommen.


Die Reise ist wohl geplant. Obwohl der Großvater erkennbar äußerst knapp bei Kasse ist, öffnen sich für die beiden wie mit Zauberhand Tür und Tor. Sie übernachten bei einem Freund und Albert bekommt einen winzigen Hund geschenkt, der ihn nun immer begleitet. Sie beziehen in der Großstadt Seattle im teuersten Hotel die Präsidentensuite, sie lassen sich je zwei Anzüge schneidern, die ihnen ins Hotel geliefert werden, sie speisen im teuersten Restaurant und werden mit einer Limousine mit Fahrerin durch die Stadt chauffiert. Der Großvater gibt kleine Einblicke in sein kriminelles Vagabundenleben, beteuert aber, dass er das jetzt aufgeben wolle und dass er nur noch eine Sache zu begleichen habe. Jetzt wird deutlich, dass zu dieser Abrechnung unter Ganoven der Enkel seinen Einsatz bekommen soll. In einer sehr riskanten Nacht- und Nebelaktion übernimmt Albert die gefährliche Mission, dem schlimmsten Feind seines Großvaters 100.000 Dollar abzuluchsen.  Die Sache gelingt knapp mithilfe der vielen Freunde, die den beiden auch bisher zur Seite gestanden sind.


Albert muss rechtzeitig wieder zuhause sein. Trotz aller spannenden Erlebnisse fühlt sich Albert aber nach dem Raubzug ziemlich ausgenutzt von seinem Großvater,  dessen Worten man offensichtlich nicht trauen kann. Dennoch  setzt Albert alles daran, der Mutter klar zu machen, dass der alte Mann, der auf der Reise eine Herzattacke erlitten hatte, bei ihnen bleiben und mit ihnen zusammen leben sollte. Die Mutter lässt sich erweichen, obwohl sie ihren Vater und seine Unzuverlässigkeit genau kennt. Doch am nächsten Tag, als Albert wieder von der Schule kommt, ist der Großvater weg. Er hat sich aus dem Staub gemacht, denn offensichtlich ist ein sesshaftes Leben für ihn undenkbar. Er hat aber dem Enkelsohn die Hälfte des erbeuteten Geldes da gelassen und zwar in dem mysteriösen Geigenkasten, den er ein Leben lang mit sich herum geschleppt hatte. Dieser Geigenkasten ist ein Symbol für den Großvater selbst. Eine kostbare Hülle, in der bisher nichts drin war als ein Rachebrief an seinen größten Rivalen. Um den Inhalt dieses Kastens hat der Großvater lebenslang ein riesigen Geheimnis gemacht. Für sein Leben war der Kasten leer. Nun ist dieses Symbol an den geliebten Enkel über gegangen mit einer Summe darin, die ihm eine solide Ausbildung garantieren soll. Albert soll keine leere Hülle bleiben, sondern soll seine Fähigkeiten so gut wie möglich ausbilden und nützen können.


Das Buch ist eine spannende Lektüre für Jugendliche ab 10 Jahren, insbesondere für Jungen. Jedem Leser dieses Buches möchte ich aber auch wärmsten als weiterführende Lektüre den Roman von David Grossman "Zickzackkind" empfehlen.

Zum Buch

Titel: Die Schlawiner
Autor: Michael de Guzmann
Verlag: Tulipan, 2010
ISBN: 9783939944539


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