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Der Zapperdockel und der Wock | Projektbuch

von Georg Bydlinski und Jens Rasmus
Ab 7 Jahren, Thema: Ärgern, Freundschaft, Mobbing

Cover: Der Zapperdockel und der Wock

Eine Geschichte von Unterdrückung und Macht und von der Liebenswürdigkeit des Schwächeren

Der dicke, unfreundliche Wock trampelt über das Land. Er trifft den kleineren Zapperdockel. Weil ein Wock nur gemeine Sachen sagen mag, schnauzt er den Zapperdockel an: „Du hässlicher kleiner Zapperdockel! Zwirbel deinen Bart nicht so, sonst bleibt dein Finger für immer darin stecken!“

Das ist gemein, denn der Zapperdockel hat dem Wock gar nichts getan. Auch ist er für einen Zapperdockel nicht klein und überhaupt nicht hässlich. Der Zapperdockel erschrickt sehr und wird so traurig, dass er weinen muss. Das freut den Wock. Er verspottet den Zapperdockel und macht sich lustig über seine Tränen. Immer mehr muss der Zapperdockel weinen und aus seinen Augen rinnt ein ganzer Bach.

Der Zapperdockel ist nun so traurig, dass das ganze Leben für ihn schwarz ist wie ein Stein. Und weil der Zapperdockel beim Weinen ganz durchsichtig geworden ist, kann der Wock seine Gedanken lesen.

Da passiert etwas mit dem Wock. Er möchte jetzt gerne den Zapperdockel aufmuntern. So schlimm hat er es doch gar nicht gemeint. Er sagt ihm, dass das Leben überhaupt nicht traurig und schwarz ist, sondern rot wie ein Gartenschlauch und richtig lustig. Der Zapperdockel schaut den Wock ungläubig an. Ist der Wock denn plötzlich nett geworden? Immer mehr muntert ihn der Wock auf. Und da sagt der Wock, dass er nur so gemein geredet hat, weil er aus Langeweile jemanden ärgern wollte. Jetzt, da sie zusammen sind, ist es aber nicht mehr langweilig. Der Wock wird richtig gemütlich und sie setzen sich ins weiche Moos „zur Freude ihrer zwei Popos“. Das hat der Zapperdockel gedichtet, denn er ist eigentlich fast ein Dichter und nun freut er sich wieder am Leben.

Der Text des Bilderbuches ist keineswegs einfach zu lesen. Textumfang, Wortmaterial und Syntax unterwerfen sich nicht einer angepassten Reduktion, sondern verlangen vom jungen Leser ein hohes Maß an Lesearbeit. Jedoch steckt so viel Wortwitz und so viel psychologisches Feingefühl darin, dass er Kinder mit Sicherheit ansprechen wird. Den Inhalt verstehen Kinder sehr genau, denn er spiegelt eine Situation wieder, die jedes Kind kennt. Es geht hier um das Verhältnis von Kindern untereinander und die Verführung sich gegenseitig zu unterdrücken. Der Stärkere erprobt seine Macht, indem er den Kleineren und Schwächeren kränkt und entwürdigt. Man ärgert den anderen nur so zum Spaß, weil man damit seine eigene Stärke ausleben kann.

Sehr ausgewogen erfahren wir die Positionen beider Seiten und das Kind kann sich sowohl mit dem Starken als auch mit dem Schwachen identifizieren. Zueinander finden sie durch die Besonderheit, dass der Schwache in seiner Trauer durchsichtig wird und der Starke ihn buchstäblich durchschauen kann. Was den derben Wock erschüttert und berührt ist die existenzielle Verzweiflung beim kleinen Zapperdockel. Diese Wucht der Gefühle empfindet er als unangemessen, da er ja eigentlich nur aus Langeweile und zu seinem Spaß den Kleinen geärgert hat. Dass der Wock nun versucht, seinen Fehler gut zu machen, ist eine typische Reaktion, die man oft bei Kindern beobachten kann. Kaum ein Kind will absichtlich so böse sein, dass es anderen wirklich schadet. Fast immer kann man auch einem kindlichen Haudegen und Kraftprotz die andere Seite verständlich machen und ihn zur Versöhnlichkeit bewegen.

Sehr poetisch beschreibt das Bilderbuch die neue Qualität des Miteinander und drückt das mit einem hübschen Schlussgedicht aus, das aus dem befreiten und entspannten Zapperdockel sprudelt.

Ganz besonders einfühlsam hat der Illustrator Jens Rassmus diese Geschichte illustriert. Die ausdruckstarken Phantasiefiguren bewegen sich in einer Phantasielandschaft, die mit feinen Strichstrukturen angedeutet ist, und fast ohne Konturlinien auskommt. Ganz zarte unwirkliche Farben tönen die Landschaft und die Figuren und so werden die Gefühle der Handelnden übermächtig. Damit hat er den poetischen Charakter des Textes sehr genau eingefangen und ergänzt ihn mit seinen gestalterischen Mitteln.

Das Buch wurde 2005 für den Jugendliteraturpreis in der Sparte „Bilderbuch“ nominiert.

Zum Buch

Titel: Der Zapperdockel und der Wock
Autor: Georg Bydlinski
Illustrator: Jens Rasmus
Verlag: Dachs, 2005
ISBN: 3851913221

Ein PISAKIDS-Projektbuch


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