von Paul Maar und Manfred Bofinger
Ab 8 Jahren,
Thema: Sprache, Sprachspiele
Die Welt der Sprache ist geprägt von den kleinen Unterschieden. Ein einzelnes Zeichen schon verändert ein Wort vollständig. Was gibt es da alles zu entdecken! Welche vielfältigen Spielmöglichkeiten tun sich auf? Wenn Kinder erst einmal angefangen haben, die Sprache als Zeichensystem zu betrachten, können sie oft gar nicht mehr genug kriegen vom Verändern, Auswechseln, Codieren, Dechifrieren oder Morsen. Dass man daraus eine hinreißende Verwechslungsgeschichte machen kann, zeigt Paul Maar meisterhaft.
Claudia entdeckt auf ihren ziellosen Streifzügen durch den Garten ein riesiges blaues Ei. Auf der Schale erkennt sie lauter kleine Buchstaben. Das kann nur ein Saurier-Ei sein, denkt sie, und rennt zu ihren Eltern. Doch die haben anderes im Kopf. Claudia trägt das Ei in den Keller und lässt es fallen, sodass es einen dicken Sprung bekommt. Und hier nimmt nun das Schicksal seinen Lauf. Von einem Saurier-Baby ist weit und breit keine Spur, als Mama endlich mit Claudia in den Keller kommt. Dafür sitzt aber Claudias gesamte Klasse im Keller. Anschließend finden die beiden dann einen Raum voller einzelner Schuhe. Das macht auch Mama nachdenklich.
Papa versucht es mit vernünftigen Erklärungen. Die fallen ihm aber auch nicht mehr ein, als er am nächsten Morgen in seinem Werkzeugraum ein Schaf vorfindet. Mit Sicherheit ist man auf der falschen Spur, wenn man die Polizei wegen all dieser Sonderbarkeiten fragt. Hier ist irgendetwas Unbegreifliches am Werk. Jeden Morgen gibt es eine neue Bescherung. In Claudias Zimmer liegt eine scheußliche gelbe Hose, dafür fehlt die Bonbonbüchse. Mamas Computertisch ist verschwunden und auf dem Boden liegt eine geräucherte Forelle.
Nun kann nur noch ein Mensch Licht in dieses mysteriöse Dunkel bringen. Herr Dill aus der Nachbarschaft wird gebeten, sich des Falles anzunehmen. Er hat alle dreitausend Bücher seiner Bibliothek gelesen, dazu eine Fülle von Lexika, Atlanten und Wörterbüchern. Er hört sich alles an und stutzt, als er von einem hellblauen Ei hört. Vage erinnert er sich und macht sich auf die Suche und schließlich ist das Geheimnis gelüftet: Im Haus hat sich ein Buchstabenfresser eingenistet.
Verblüfft erfährt die Familie, warum sich jeden Tag so seltsame Dinge ereignen. Der nachtaktive und lichtscheue Kerl vertauscht zuerst Buchstaben und verwandelt so ein Ding in ein anderes. So wurde aus Claudias Dose eine Hose, aus Vaters Hammer ein Hammel und aus Mutters Tisch ein Fisch. Dann aber tritt ein Buchstabenfresser, quasi wenn er erwachsen wird, in ein neues Stadium ein. Dann frisst er Buchstaben auf und das ist noch viel unangenehmer, denn was wäre, wenn er ein Wort ganz und gar auffressen würde? Unglaubliche Schäden könnten entstehen, soviel ist klar.
Was kann man tun? Herr Dill entwickelt einen Plan. Der Buchstabenfresser muss zurück ins Ei. Nur dort richtet er keinen Schaden an. Das gelingt schließlich und die Familie ist glücklich einer großen Gefahr entronnen und ein - zugegeben fast langweiliger Alltag - kehrt wieder ein ins Haus.
Es ist faszinierend, wie es Paul Maar gelingt, eine Handlung zu entwickeln, die ihre Spannung ausschließlich daraus bezieht, dass irgendwo ein Buchstabe verändert oder entfernt wird. Die Geschichte strahlt eine so heitere, lustige und chaotische Atmosphäre aus, dass sie von Kindern mit Begeisterung gelesen wird. Natürlich kann man daran anschließend eine Fülle von Sprachspielen initiieren, ein Thema fürs zweite und dritte Schuljahr.
Titel: Der Buchstaben-Fresser
Autor: Paul Maar
Illustrator: Manfred Bofinger
Verlag: Oetinger, 2008
ISBN: 3789105098
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