von Julia Donaldson und Axel Scheffler
Ab 6 Jahren,
Thema: Angst, Erfahrung, Klugheit, Mut
Die Grüffelos sind große, dicke, furchterregende Pelztiere. Sie haben ein Maul voller Reiß- und Mahlzähne, übergroße Augen, spitze Hörner, abstehende Eselsohren und am Rücken gefährliche Drachenzacken. An den Läufen wachsen ihnen scharfe Krallen zum Packen und Festhalten ihrer Beute.
Der Grüffelo-Vater lebt mit seinem Kind in einer Höhle, in der neben dem Spielzeug des Kindes viele abgenagte Knochen herum liegen. Doch ein Grüffelo-Vater ist ebenso besorgt um sein Kind wie alle Väter. Er unterrichtet es darüber, was gefährlich ist und wovor es sich hüten muss. Besonders gefährlich ist die böse Maus. Sie holt sich die Grüffelo-Kinder. Man erkennt dieses schreckliche Vieh an seinen feurigen Augen, seinem starken Schwanz und den Barthaaren, auf denen Vögel sitzen können. Niemals darf das Grüffelo-Kind alleine in den dunklen Wald gehen, denn dort lebt die böse Maus.
Das Grüffelo-Kind ist aber neugierig und was verboten ist, reizt besonders. So schleicht es in der winterlichen Nacht, als der Vater schläft, hinaus in den dunklen Wald. Es findet dort zuerst eine Schlange. Ihr Schwanz ist ihm aufgefallen, doch eine böse Maus ist dieses Tier nicht. Die Schlange ist belustigt und schickt das Grüffelo-Kind weiter. Es trifft die Eule und den Fuchs, die eine mit feurigen Augen, der andere mit einem Schnurrbart. Doch auch sie enttäuschen das Grüffelo-Kind und sie schicken es weiter. „Die lügen doch alle“, denkt das Grüffelo-Kind. Am Ende gibt es gar keine böse Maus!
Da entdeckt es ein Mäuschen. Das kommt gerade recht als kleiner Mitternachtsschmaus. Doch die Maus weiß sich zu helfen. Sie kennt die Grüffelos. Sie schlägt dem Kind vor, seine Freundin zu holen, die böse, große Maus. Es gibt es sie also doch?
Rasch hüpft die Maus auf einen Strauch. Eben geht der Mond auf und da wirft das fahle Licht einen riesigen Mäuseschatten auf den Schnee. Böse sieht dieses Tier aus und es jagt dem Grüffelo-Kind schreckliche Angst ein, sodass es Reißaus nimmt und zurück zur Höhle rennt, wo es sich ganz nah an den schlafenden Vater kuschelt.
Diese Geschichte ist voller hintergründiger Anspielungen und warmherziger Komik. Sie thematisiert die Unerfahrenheit des Kindes, aber auch die komische Spannung, die zwischen Körpergröße und Verstand existieren kann. Die winzige Maus hat mehr Grips im Kopf als der riesige Grüffelo. Es ist nicht das naive Grüffelo-Kind, das hier zum Gespött wird, sonder die tollpatschige Beschränktheit einer Spezies. Der einfältige Vater hat das Kind auf die angstmachende Erscheinung verwiesen und das Kind kann nun nicht mehr auflösen, was es gesehen hat. Es wird dieses Märchen an seine Kinder weiter geben.
Die Geschichte thematisiert wichtige Wesenszüge von Angst überhaupt. Angst ist hier eine Projektion. Die Grüffelos haben Angst vor einem Wesen, das sie beschreiben, als wären sie selbst gemeint. Aber Angst entsteht hier vor allem auch aus dem unerklärlichen Nebeneinander von bildlicher Erscheinung in Form eines Schattens und der Wirklichkeit. Dieses uralte Motiv wird schon bei Platon im berühmten Höhlenmärchen erzählt, in dem verdeutlicht wird, dass wir Menschen oft nur den Schatten der Dinge kennen, nicht aber die Wirklichkeit. Wenn man zwischen dem veränderbaren, mysteriösen Schatten und seiner materiellen Wirklichkeit nicht unterscheiden kann, ist das überaus beängstigend. Als Tier kennt das Grüffelo-Kind nur was es sieht, riecht und was es fressen kann. Der Schatten, den es nicht einordnen kann, ruft in ihm Entsetzen hervor.
Die kleine Maus ist erfahrener. Sie kann ihren Vorteil nutzen und sich retten. So verdeutlicht die Geschichte auch, dass Kleinsein nicht gleichzusetzen ist mit Unerfahrenheit und Dummheit. Kleine können ihren Verstand einsetzen und sich so durchsetzen und überleben.
Mit wem wird sich das Kind identifizieren? Es hat die Wahl oder es wird sich ggf. mit beiden Figuren in eins fühlen. Es kennt die Situation des Grüffelo-Kindes, aber auch die der Maus. Es sind zwei Seiten seines eigenen Kindseins.
Die in knappen Reimen erzählte Geschichte eignet sich ganz besonders gut für Erstleser und wird ihnen viel Freude bereiten.
Titel: Das Grüffelokind
Autor: Julia Donaldson
Illustrator: Axel Scheffler
Verlag: Beltz und Gelberg, 2007
ISBN: 3407793332
Ein PISAKIDS-Projektbuch
Neu bei PISAKIDS? Melden Sie sich für ein Jahres-Abo an. Oder testen Sie erst den Probezugang. Ihr Schüler bzw. Ihr Kind kann sich danach bei den Spielen anmelden. Für Lehrer bzw. Eltern steht dann die Statistik zur Verfügung.