von Susanne Opel-Götz
Ab 7 Jahren,
Thema: Brüder, Geschwister
Mit Geschwistern spielen, von Geschwistern lernen!
Es ist schön, wenn man einen Bruder hat; einen der schon ein bisschen größer ist und mehr weiß und kann. Mug jedenfalls genießt das und lässt sich gern von seinem Bruder anstecken. Als Leo eines Tages eine Idee hat, ist Mug sehr beeindruckt. „Ab heute sind wir cool!“, verkündet Leo.
Mug weiß nicht so recht, was das ist. Aber Leo erklärt es ihm und er ist dabei sehr geduldig. Schließlich will er ja, dass jemand mitmacht, denn zu zweit macht alles mehr Spaß. Coole sind in allererster Linie anders als andere, anders als normale Menschen. Sie laufen den ganzen Tag mit einer Sonnenbrille herum. Sie schauen sich Gruselfilme an, bei denen einem das „Blut in den Adern gefriert“ und die Haare zu Berge stehen. Coole reden in einer Geheimsprache. Sie nehmen nur noch einen Rucksack mit in die Schule und essen scharfe Wurst, jede Menge Bonbons und sie trinken mit Vorliebe Cola. Sie hören nur noch Krachmusik, dass ihnen die Ohren dröhnen. Sie halten sich Würgespinnen und giftige Ratten in ihrem Zimmer und verkehren mit hammerharten Freunden. Und schließlich benehmen sich Coole superfrech.
Mug ist hin und her gerissen vor Bewunderung, Lust und Ängstlichkeit. Warum machen sie das alles, die Coolen. Deutlich erkennt er aber auch, dass Coole sich unweigerlich mit einem solchen Verhalten Probleme schaffen. Auch kann er nicht verstehen, warum Coole Dinge machen, die gar nicht besonders spaßig sind. Mug mag es nicht, wenn sich zu viel ändert. Mug hat Angst vor Giftspinnen und Ratten. Er liebt doch seine Tiere, den Hund und die Katze. Aber andererseits ist es auch toll, wenn man alles auf den Kopf stellt und die Umgebung schockiert. Welch eine Wonne, sich vorzustellen, wie die Eltern fassungslos zusehen, was da abgeht und wie Tante Mechthild mit Entsetzen das Feld räumt.
Leo ist in seine Idee vernarrt. Es stört ihn, dass Mug immer wieder den Grund wissen will, warum man sich so cool verhalten soll. Irgendwie bremst das doch seine Euphorie. Am Ende ist es Mug, der zu dem Schluss kommt, dass Coolsein ziemlich anstrengend sein muss und Leo bekommt die Gelegenheit, sich dann doch von diesem Vorhaben zu verabschieden. Sie werden den Plan aufschieben und erst morgen mit dem Coolsein anfangen. Heute wollen sie noch einmal ganz normal sein und etwas Schönes miteinander spielen, ein Baumhaus bauen, zum Beispiel. Erlöst und zufrieden machen sich die beiden ans Werk und finden das wirklich cool.
Susanne Opel-Götz kennen wir als eine hervorragende Illustratorin von Kinderbüchern. Hier hat sie aber auch zur Feder gegriffen und lässt erkennen, wie gut sie sich in Kinder hinein versetzen kann. Die Spannung, die durch den Altersunterschied in jeder Geschwisterbeziehung existiert, die Zuneigung zueinander und die Notwendigkeit gemeinsam zu agieren, kommen in der Geschichte wunderschön zum Ausdruck. Was man so in der gemeinsamen Phantasie miteinander abhandelt, muss man am Ende gar nicht mehr in die Realität umsetzen und diese Lösung hat sehr viel für sich. „Wollen wir spielen, wir wären heute...“, das war eines meiner Lieblingsspiele mit meiner Schwester. Dazu hat man Geschwister, dass man die vielen Möglichkeiten in der Phantasie ausmalt, vieles als unpassend und sinnlos wieder ablegt, aber auch manches für später fest ins Auge fasst. Für solche Erkenntnisse über sich selbst und für wichtige Projektionen in die Zukunft sind Geschwister ein unschätzbares Geschenk.
Titel: Ab heute sind wir cool
Autor: Susanne Opel-Götz
Illustrator: Susanne Opel-Götz
Verlag: Oetinger, 2007
ISBN: 3789169557
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